Kunsterleben Bildungsspass

Kunst erleben, Unterricht erweitern

In den Schulworkshops der Galerie im Marstall Ahrensburg und der Galerie in der Wassermühle Trittau wird die Ausstellung zum Atelier und Klassenzimmer.

Wenn der Kunstunterricht den Klassenraum verlässt und mitten in eine Ausstellung führt, entstehen nicht nur neue Perspektiven, sondern vor allem jede Menge kreative Energie. So erlebten es kürzlich die 15 Schülerinnen und Schüler des Kunstprofils am Eric-Kandel-Gymnasium Ahrensburg. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Kristina Hildebrandt erkundeten sie an zwei Vormittagen die diesjährige Sommerausstellung „Volker Hinz – Legenden“ in der Galerie im Marstall Ahrensburg und verbanden dabei ihre eigenen Unterrichtsthemen mit den Fotografien des bekannten stern-Fotografen.

Im Kunstunterricht beschäftigte sich die Gruppe gerade mit dem Thema Skulptur und Plastik. Eine spannende Ausgangslage für den Workshop unter der Leitung von Kulturvermittlerin Antje Feger: Welche Verbindung lässt sich zwischen fotografischem und plastischem Arbeiten knüpfen und wie lässt sich der Besuch in der Galerie sinnvoll mit dem Unterricht verbinden?

Nach einer kurzen Einführung näherten sich die Schülerinnen und Schüler den Werken der Ausstellung direkt in der praktischen Auseinandersetzung. In Zweierteams versuchten sie, Fotografien von Volker Hinz mit einfachen Mitteln nachzustellen, um sich intensiv mit Mimik, Körperhaltung, Ausdruck und Bildsprache auseinanderzusetzen. Schon nach kurzer Zeit entstanden mit Kameras, Smartphones und Laptops beeindruckende fotografische Kunstwerke – und schnell wird klar, wie viel Geschichte in einem einzigen Foto stecken kann.

Warum hat der Fotograf genau diesen Moment gewählt? Was verändert sich, wenn der Bildausschnitt anders gesetzt wird? Welche Wirkung hat eine bestimmte Körperhaltung? Und welche Geschichte entsteht, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst in die Rolle von Fotograf oder Model schlüpfen?

Anschließend präsentierten die Teams ihre Ergebnisse und tauschten sich über ihre unterschiedlichen Zugänge aus. Auch die besondere Wirkung von Schwarz-Weiß-Fotografie wurde diskutiert. Ohne Farbe verändert sich die Wahrnehmung, der Blick richtet sich stärker auf Formen, Licht, Kontraste und Details.

Die Ausstellung bot darüber hinaus zahlreiche Anknüpfungspunkte für weitere Fragen. Was genau ist eigentlich eine „Legende“? Und worin unterscheidet sie sich von Mythos, Sage oder Epos? Wie wurden legendäre Figuren früher in der Kunst dargestellt – und wie können sie heute fotografisch interpretiert werden?

Auch die eigenen mitgebrachten Requisiten wurden Teil der fotografischen Arbeit. Im Vorfeld hatte sich jede Schülerin und jeder Schüler eine Gottheit oder einen Helden der griechischen Antike ausgesucht und dazu passende Gegenstände mitgebracht. In einer eigenen Fotostrecke wurde sichtbar, wie sich eine Figur mit wenigen charakteristischen Merkmalen erkennbar darstellen lässt: Bei Karl Lagerfeld sind es vielleicht Frisur und Sonnenbrille, bei Aphrodite die Körperhaltung oder bei Odysseus der Bogen.

Am zweiten Workshoptag rückte dann die Skulptur stärker in den Mittelpunkt. Zunächst sollten die Schülerinnen und Schüler charakteristische Merkmale und Ausdrucksformen, die in den Fotografien von Volker Hinz sichtbar werden, in Ton einfangen. Anschließend entstand ein Tonkopf als  dreidimensionale Charakterstudie, der auf einer Drehscheibe aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und bearbeitet werden konnte.

„In unseren Kunstworkshops wollen wir Unterrichtsinhalte nicht einfach in die Galerie verlagern, sondern stimmen die Inhalte unserer Workshops immer gemeinsam mit den Lehrkräften auf die Themen des Unterrichts ab“, erklärt Kulturvermittlerin Antje Feger. „So können die Schülerinnen und Schüler ihr Vorwissen mitbringen und direkt an den Arbeiten in den Ausstellungen weiterdenken und weiterarbeiten.“

Je nach Thema und Ausstellung kommen dabei unterschiedliche künstlerische Techniken und Medien zum Einsatz: von Zeichnung und Collage über Malerei und Installation bis hin zu Fotografie und plastischem Arbeiten.

Auch für Kristina Hildebrandt, Lehrerin am Eric-Kandel-Gymnasium und Kreisfachberaterin für Kulturelle Bildung, liegt darin ein wichtiger Mehrwert: „Für Schülerinnen und Schüler ist es eine besondere Erfahrung, wenn sie Kunst nicht nur im Unterricht betrachten und besprechen, sondern sich direkt mit Originalen auseinandersetzen und anschließend selbst praktisch arbeiten können. So entstehen ganz andere Zugänge, Perspektiven und neue Fragen.“

Die Galerie im Marstall Ahrensburg ist einer der vier nun-zertifizierten außerschulischen Lernorte der Stiftungen der Sparkasse Holstein. Die Kunstvermittlungsangebote werden  individuell auf Schulform, Jahrgangsstufe sowie Alter und Leistungsniveau angepasst. Im Mittelpunkt stehen die jeweilige Ausstellung, die Interessen der Gruppe und die Verbindung zu den Unterrichtsinhalten. Auch Ziele der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) sind wesentlicher Bestandteil des Konzepts.

Die Schulworkshops der Galerie im Marstall Ahrensburg und der Galerie in der Wassermühle Trittau richten sich an alle Jahrgangsstufen von der 1. bis zur 13. Klasse und können von Stormarner Schulen kostenfrei über den Bildungsspaß Holstein gebucht werden.

Eris
Aphrodite
Arthemis
Hermes
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Tartaros
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